Am vergangenen Samstagabend wurde das Kapuziner in Ravensburg zum Ort eines besonderen literarischen und gesellschaftspolitischen Austauschs. Die mehrfach ausgezeichnete Journalistin und Autorin Ira Peter las aus ihrem aktuellen Buch „Deutsch genug? Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen“ (Goldmann Verlag, März 2025) und berührte das Publikum mit einer eindringlichen Mischung aus persönlichen Erinnerungen, historischer Reflexion und politischer Analyse.

Unter der Moderation von Daniel Frass sprach Ira Peter als Deutsche aus Kasachstan über das Aufwachsen zwischen Kulturen, Sprachen und Erwartungen – und über eine Community, die in der deutschen Gesellschaft lange übersehen wurde: die Russlanddeutschen. Mit journalistischer Präzision und biografischer Tiefe zeichnete sie ein vielschichtiges Bild einer Gruppe, deren Geschichte eng mit Migration, Diskriminierung und dem Ringen um Anerkennung verbunden ist.

Die Lesung war mehr als eine Buchvorstellung – sie war ein Appell, hinzusehen und zuzuhören. Ira Peter verstand es, komplexe Themen wie Identität, Erinnerungskultur und gesellschaftliche Teilhabe verständlich und berührend zu vermitteln. Ihre Worte hallten nach – nicht nur im Raum, sondern auch in den Gedanken der Zuhörer:innen.

Im Anschluss an die Lesung entwickelte sich ein lebendiges Gespräch zwischen Publikum und Autorin. Fragen nach Zugehörigkeit, Herkunft und gesellschaftlicher Sichtbarkeit wurden offen diskutiert. Viele Besucher:innen nutzten die Gelegenheit, persönliche Erfahrungen zu teilen oder mehr über die Hintergründe des Buches zu erfahren.

Der Abend endete mit einer Signierstunde und dem Verkauf des Buches – ein Zeichen dafür, wie groß das Interesse an diesem wichtigen Thema ist.

Die Veranstaltung war Teil eines gemeinsamen Projekts der Stadt Ravensburg und des Kapuziner, gefördert vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie Stadt Ravensburg. Sie zeigte eindrucksvoll, wie wichtig es ist, marginalisierte Perspektiven sichtbar zu machen und Räume für Dialog zu schaffen.