Am 9. November wurde die Werkhalle wieder zum Wohnzimmer voller Klang und Geschichten. Beim Sofakonzert erlebten die Besucher*innen einen Abend zwischen Musik und Zirkuspoesie – fast wie ein kleines Festival: drei sehr unterschiedliche Acts, die doch eine gemeinsame Sprache fanden – die Sprache der Poesie.

Den Auftakt gestalteten Carina und Shunya. Ohne ein einziges gesprochenes Wort erzählten sie ihre Geschichte mit Körpern, Bewegung und Musik. An Trapez und Luftring, auf dem Einrad, mit Jonglage und Partnerakrobatik spannten sie einen Bogen zwischen Himmel und Erde, Nähe und Distanz. Bilder von Freundschaft, Vertrautheit und Vergänglichkeit entstanden im Raum, getragen von Geige und Akkordeon. Man spürte, dass die beiden sich schon vor Jahren an einer Zirkusschule in Italien begegnet waren – nun kreuzten sich ihre Wege erneut in der Werkhalle, in einem poetischen und kraftvollen Stück zwischen Abenteuerlust und leiser Melancholie.

Im zweiten Teil des Abends nahm die Berliner Musikerin und Autorin Toni Kater das Publikum mit in ihren ganz eigenen Kosmos. Mit Liedern voll ungewöhnlicher Bilder, Tiefe und feinem Humor und Songs aus ihrem für den Deutschen Schallplattenpreis nominierten Album „JEMALS“ berührte sie direkt und persönlich. Ihre fragile, androgyn wirkende Präsenz auf der Bühne und ihre unverwechselbare Stimme ließen viele im Publikum ganz still werden – ein Konzert, das nachhallt.

Zum Abschluss öffnete das Duo Kaŝita Kanto einen Klangraum „zwischen den Welten“. Gitarren und zweistimmiger Gesang verflochten sich mit den warmen Tönen der indischen Shruti-Box zu einem fast tranceartigen Teppich. Gedichte und Anekdoten aus ihrem Leben führten das Publikum mal humorvoll, mal tiefgründig durch Themen wie Sehnsucht, Ferne, Nähe und das, was dazwischen liegt. Ihre lebensbejahende Melancholie machte den Abschluss des Abends zu einer Einladung zum Innehalten.

So fügte sich alles zu einem Sofakonzert wie ein Mosaik: Jeder Act für sich besonders, in der Summe ein Abend, der viele verzaubert hat. Wer dabei war, nahm nicht nur Musik und Bilder mit nach Hause, sondern auch Momente, die bleiben.

Fotos: Paul Meyer